2. IGSF: Watanabe vs. Hirose

Watanabe vs. Hirose

Diese Partie wurde zwischen Akira Watanabe und Akihito Hirose anlässlich des 2. IGSF in Ludwigshafen am 3. Mai 2015 ausgetragen.

 

Zum Turnier

Es lief bei diesem Turnier nicht so gut für mich. In der erste Runde wurde ich gegen Daniel Prill gelost und stand in Mittelspiel um einiges besser. Doch ich warf die Partie weg, da ich all meine Stellungs- und Materialvorteile verspielte, indem ich einfach schlechte Züge machte. Diese erste Partie sollte zum Omen für das gesammte Turnier werden. Am Ende konnte ich, obwohl ich in allen Partien die bessere Stellung hatte, nur einen Sieg holen, da ich bei den restlichen Partien gegen Ende alle Vorteile verspielte. Noch ärgerlicher für mich war, dass ich eine Partie, bei der ich auf Gewinn stand, mal wieder deswegen verlor, weil eine Figur des Gegners nicht auf dem Komadai lag (das ist mir jetzt schon zum vierten Mal passiert). Ohne diese Figur - es war ein Springer - hätte mich der Gegner nicht Matt setzen können, während er im nächsten Zug unweigerlich Matt gewesen wäre. Hätte ich gewusst, dass er einen Springer hat, hätte ich verteidigen können und er wäre später dennoch unweigerlich Matt gewesen. Als mir das zum ersten Mal passierte, habe ich mich darüber beschwert. Doch ich bekam damals als Antwort, dass ich es nicht nachweisen könne. Solche Dinge sind einfach ärgerlich und es wird Zeit, dass auch die Turniere von Shôgi-Deutschland schriftlich fixieren, was in einen solchen Fall geschehen soll. Auch wenn der Gegner es nicht absichtlich tut, so ist es dennoch eine Veränderung der Stellung. Die Figuren haben sichtbar auf den Komadai zu liegen. Mir ist es nämlich auch schon mehrmals passiert, dass der Gegner die ganze Zeit über seine Hand über dem Komadai hatte und ich die Figuren nicht sehen konnte. Trotz mehrmaligen Verwarnen, hörte sie damit nicht auf. Laut Turnierleiter wird hier erst mehrmals verwarnt, bevor er die Partie verliert. In den Turnierregeln findet man nichts darüber. Auf unseren Turnieren ist ganz klar geregelt, dass wenn eine Figur nicht auf dem Komadai liegt, dies als Betrugsabsicht interpretiert wird. Damit ist auch jeden Spieler klar, dass die Figuren auf dem Komadai zu liegen haben. Ebenso ist nachlesbar festgelegt, dass ein Spieler verliert, wenn er mit seiner Hand in der Bedenkzeit des Gegners die Figuren auf den Komadai dauerhaft verdeckt. Bei solchen Dinge bin ich stark am Überlegen, ob ich überhaupt noch auf Turnieren, die von Shôgi Deutschland ausgerichtet werden, mitspielen soll. Es kann nicht sein, dass sich hier - ob nun absichtlicher oder unabsichtlicher - Betrug lohnt. Ich bin nicht der einzige Spieler, bei dem das passiert ist und auch andere Fälle sprechen nicht gerade für die Regelungen des FESA. So hat ein Spieler nach seinem ersten Turnier das Shôgi aufgegeben, da er - nachdem er mattgesetzt wurde - nachgewiesen hatte, dass der Gegner drei Nifu auf den Brett hatte und der Turnierleiter die Partie dennoch als Verlust für ihn wertete. Es gab mehrere Zeugen, die die drei Nifu und obendrein noch einige andere illegale Züge bestätigen konnten. Der Spieler, der sich nachweislich nicht an die Regeln hielt und dadurch unfaire Stellungsvorteile bekam, die er mit regelkonformen Zügen nie gehabt hätte, gewann die Partie, obwohl es gesehen und gemeldet wurde. So kann man auch Spieler vergraulen. Und nachdem ich jetzt insgesammt elf Partien durch Situationen, die man nur als unfaires Spiel bezeichnen kann, verloren habe, bei denen laut japanischer Regelung mein Gegner sofort verloren hätte, habe auch ich langsam die Schnauze voll. Selbst auf einem Turnier, wo man sonst alle Partien gewinnt, regt einen so eine Partie einfach auf und versaut ein sonst schönes Turnier.

Meine Partie gegen Hirose:

Obwohl diese Partie meine Stimmung etwas drückte, freute ich mich doch auf die Partie gegen Hirose. Ich verzichtete - wie immer - auf eine Vorgabe. Ich möchte mein Spiel in den Strategien verbessern, die ich normalerweise spiele. Bei einem Handicap kann man aber nicht wie gewohnt spielen. Die Partie lief entlang des Joseki und ich fand einen guten Zug, für den mich Hirose lobte, da er seinen Angriff verpuffen lies und mir einen Angriff und Materialgewinn ermöglichte. Sein Kakoi bestand nur noch aus einem General. Aber mir war klar, dass er jetzt mein Kakaoi zerlegen würde. Ich verteidgte noch falsch und so fiel mein Mino kakoi auseinander. Am Ende sagte Hirose, dass mein Spiel sehr gut sei, ich das Joseki gut kenne und lobte den Zug, den ich im Mittelspiel fand. Er entschuldigte sich dafür, dass er die Partie schnell beenden musste. Bei den zwei anderen Spielern, die keine Vorgabe wollten, spielte er nicht gleich auf Matt, da seinem König noch keine Gefahr drohte. Diese Entschuldigung freute mich sehr, da somit klar war, dass er ernsthaft spielen musste, da er gefährlich stand. Es freute mich auch, dass er nur den bereits erwähnten falschen Verteidigungszug zu beanstanden hatte. Die Entschuldigung und die wenigen Korrekturen sind das Höchste, was ich gegen einen Profi erreichen kann. In einer Partie ohne Vorgabe wird man nicht gewinnen. Das ist bereits zu Beginn klar. Außerdem sagte er, dass das nicht das Spielniveau eines Kyû-Spielers sei und es beim Kyû nicht bleiben würde. Wir hatten ein Namenschild auf dem der FESA Rang stand, wo ich den 1 Kyû besitze. Mit dieser Partie war ich also sehr zufrieden. Eine Vorgabepartie hätte ich vielleicht gewinnen können, aber eine solche Niederlage ist mir lieber, als die Joseki für eine Vorgabe runterzuspielen, um eine Vorgabepartie zu gewinnen, wo ich nichts lernen kann, was mir bei meiner normalen Spielweise weiterhilft. Ich kann es nur jeden Spieler, der eine höhere Spielstärke hat, empfehlen, auf Vorgaben zu verzichten. Bei Spielern, die eine geringe Spielstärke haben, sind Vorgaben allerdings sinnvoll.

Wie ich erwartet hatte, gewannen viele Amateure ihre Vorgabepartie, die sie laut FESA-Kriterien nicht gewinnen dürften. Entgegen der Angabe im Bericht von Shôgi Deutschland, war die geringste Vorgabe nicht eine Turm-, sondern eine Läufervorgabe. Das ist die zweitkleinste Vorgabe, die man geben kann. Nur die Lanzenvorgabe ist geringer. Es ist auch erstaunlich, wie sich das Bild in den Jahren gewandelt hat. Anscheinend hat meine Kritik doch etwas gebracht, da noch vor ein paar Jahren von Profis, die sich im unteren Spektrum der Rangliste befinden, - und sogar von Profispielerinnen - solche Vorgaben undenkbar waren. Die Profis mussten zwar immer dazu überredet werden, da sie weniger vorgeben wollten, aber dass kam anscheinend niemanden seltsam vor. Selbst hohe Dan-Amateurspieler bekamen damals mindestens zwei Figuren (Unterschied 450 Elo-Punkte) als Vorgabe. Nachdem ich mehrmals gezeigt habe (auch mit Videos, wo japanische Amateure gegen Profis spielen), dass niedrigere Vorgaben üblich sind, wurde ich erst kritisiert, dann gekonnt ignoriert und nun wird meine Kritik heimlich doch ernstgenommen. Das lässt hoffen, dass sich auch bei der Diskussion um die Bedenkzeit (die FESA Regel wurde jetzt schon einige Male übergangen) und bei der Diskussion um das Wertungssystem und die FESA-Ränge etwas tun wird. Auch wenn niemand zugeben wird, dass ich das schon vor Jahren gesagt und mehrmals belegt habe. Für die Diskussion zum Thema FESA-Ränge möchte ich hier gleich noch etwas beisteuern: Selbst bei dieser geringen Vorgabe (Läufervorgabe) gewannen einige Amateure gegen die Top-Profis, was laut japanischen Kriterien bedeutet, dass diese Amateure mindestens den 5 Dan haben müssten. Einer dieser Amateure hat auch den 5 Dan in Japan, aber eben nicht in Europa. Auch ein weiterer 1 Kyû-Spieler gewann seine Partie gegen eine Turmvorgabe. In meinen System hat er den Rang, den er laut japanischen Kriterien haben müsste, um diese Vorgabe zu gewinnen: Den 4 Dan. Laut FESA-Kriterien hätte er selbst eine 6p-Vorgabe nicht gewinnen dürfen. Wenn man nun Rückschlüsse über die Spielstärke der zwei Profis ziehen möchte - was die FESA bei Amateuren ja tut - und dabei - wie die FESA - annimmt, dass die Differenzen für die Vorgaben und die Ränge der FESA stimmen, hätten die Profis summa summarum weniger als 2000 Elo in FESA-System. Damit würden sie es nicht einmal in die Top-50 der FESA-Rangliste schaffen. Das ist natürlich lächerlich und zeigt mal wieder, wie weit die FESA-Werte von der Realität entfernt sind. Auch dieses Mal war meine Vorhersage richtig, obwohl wir es mit Top-Profis (Platz zwei und Platz zwölf der Rangliste) zu tun hatten. Und die Gewinner der Vorgaben hatten in meinem System wieder einmal den Rang, den sie laut japanischer Tabelle haben müssten, um diese Vorgabepartie gegen einen Top-Profi zu gewinnen.