Deusche Meisterschaft 2014

Deutsche Meisterschaft 2014

Die Deutsche Meisterschaft wurde nicht vom Schachklub veranstaltet. Hier geht es zum offiziellen Bericht: http://www.shogideutschland.de/2014/ODM_2014.html

Da ich per Mail darum gebeten wurde, mehr zu berichten, schreibe ich einen Bericht darüber, wie es mir auf der Meisterschaft ergangen ist.

Am 22. und 23. Februar fand die Deutsche Meisterschaft zum ersten Mal in Ludwigshafen statt. Thomas Leiter gewann den Titel. Frank Rövekamp wurde Vize-Meister. Die bisherigen Austragungsorte waren für die meisten Spieler weniger attraktiv und das führte dazu, dass an dieser Meisterschaft 37 Spieler teilnahmen. Ich war einer dieser Spieler.
Die eigentliche Deutsche Meisterschaft wird im K.O-System unter den zwölf stärksten deutschen Spielern ausgetragen. Zeitgleich wird ein offenes Turnier gespielt. Die ersten vier Plätze der Setzliste müssen sich in der ersten Runde keine Gedanken machen, da sie automatisch in das Viertelfinale kommen, während die Plätze 5-12 darum spielen müssen.
Ich war auf Platz sechs gesetzt und musste gegen Ralph Ritter spielen, der auf Platz 11 gesetzt worden ist. Ralph und ich haben schon einige Partien gegeneinander gespielt und auch an diesem Tag setzte ich mich durch. Damit war ich in Viertelfinale.
Als nächsten Gegner wurde mir Frank Rövekamp, der Vize-Meister wurde, zugewiesen. Gegen Frank habe ich letzten Monat beim Neujahrturnier verloren. Ich wusste also, dass es schwer werden würde.
Dennoch ergab sich während der Partie eine Chance. Ich sah ein Turmopfer, dass Franks kakoi in eine gefährliche Lage bringen würde. Da Frank mit einem Turm und zwei Bauern noch nicht so viel ausrichten könnte, wurde diese Idee immer interessanter. Trotzdem überlegte ich einige Minuten. Frank hat schließlich den 3. Dan im Elo-System. Im DW-System hat er den 5. Dan - auch in Japan besitzt er den 5. Dan - mit über 1900.
Schließlich entschied ich mich dafür, den Turm zu opfern. Während ich diesen Zug ausführte, bemerkte ich, dass uns Thomas Leiter, der das Turnier gewann, gerade zusah. Als ich seine Mimik sah, hörte ich in meinem Kopf, was er dachte. Es war ein lautes "Bist du wahnsinnig!" Dennoch war die Partie, die sich daraus ergab ziemlich spannend. Während der Partie fand ich noch einen guten Bauerntrop, mit dem Frank nicht gerechnet hatte, und konnte meinen Turm zurückgewinnen. Als wir beide im Byôyomi waren, wurden meine Züge immer schwächer und Frank konnte sich durchsetzen.
Damit wurde ich ins offene Turnier befördert. Als letzten Gegner des ersten Spieltages bekam ich Yuhi Nishida, der das International-Shôgi-Festival gewonnen hatte und mit 2283 Elo gelistet wurde. Ich rechnete mit einer Niederlage. Nach diesem Turnier hat er eine DL von 1997. Er wird allerdings noch nicht in der DW-Liste gelistet, da er erst zwei Turniere in Deutschland gespielt hat. Ich schaffte es zwar, sein Kakoi auseinanderzunehmen, sodass der König schließlich alleine stand, aber mir ging das Material aus. Da auch mein König unter Beschuss stand, wurde ich früher mattgesetzt.
Die Bilanz des ersten Turniertages war ein Sieg und zwei Niederlagen. Da der Gegnerschnitt hoch war, habe ich dennoch meine Gewinnerwartung erfüllt und war zufrieden. Am Abend trafen sich einige Shôgispieler zum Essen. Als Letzte blieben Martin Köbsel,  Ralph Ritter und ich. Als ich schließlich zu Hause ankam, war es bereits ein Uhr. Dennoch konnte ich sechs Stunden schlafen und Energie für die nächsten drei Runden tanken.
Um neun Uhr begann die vierte Runde des offenen Turniers. Gleichzeitig fand das Finale der deutschen Meisterschaft statt. Es spielten Frank Rövekamp und Thomas Leiter. Thomas holte sich schließlich den Titel.
Mein Gegner war Daniel Többens, gegen den ich bisher nur eine Partie auf der ESC 2011 gespielt hatte. Daniel Többens wurde bei der Deutschen Meisterschaft 2010 Vize-Meister. Ich machte im Mittelspiel einen dummen Fehler und musste meinen Turm gegen seinen Läufer tauschen. Ich riss mich also zusammen und nahm mir die Zeit meine nächsten Züge besser zu überlegen. Ich sah schließlich einen Bauertrop, der das Spiel für mich wenden könnte. Daniel schätzte den Bauern falsch ein und sein König stand nach einem weiteren Läuferopfer schließlich in einem Hisshi (es droht ein Matt im nächsten Zug, das der Gegner nicht verhindern kann).
In der fünften Runde bekam ich wieder einen Gegner, gegen den ich bisher nur eine Partie auf der ESC 2011 gespielt hatte. Es war Peter Hingley. Er machte leider einen verfrühten Silberzug. Ich konnte deshalb sehr schnell durchbrechen. Peter Hingley verteidigte so gut es ging, aber er musste schließlich aufgeben. Damit hatte ich drei Siege und feierte das mit einer Schüssel Ramen. In der Vereinsküche bildete sich eine Schlange, um die begehrten Instant-Ramen zu ergattern. So gestärkt ging ich in die letzte Runde.
Hier traf ich auf Daniel Prill. Daniel hatte 2011 verhindert, dass ich den Titel des Ludwigshafener Stadtmeister zum zweiten Mal holen konnte. 2013 gewann er die Deutsche Meisterschaft. Er war also der Titelverteidiger. 2012 wurde er Vize-Meister. Daniel hat 1996 DL im DW-System und besitzt dort den 5. Dan. In der ersten Runde besiegte er Yuhi Nishida, der mit 2283 Elo gelistet wurde. Im DW-System haben die Beiden fast den gleichen Wert. Er verlor in der dritten Runde gegen Thomas Leiter.
Kurz nachdem wir unsere kakoi fertiggestellt hatten, sah ich bereits ein Turmopfer. Der Leser dieses Artikels wird sich noch an die zweite Runde gegen Frank Rövekamp erinnern. Aber dieses Turmopfer (letzendlich ist es kein Opfer, da ich den Turnm sofort zurückbekomme und letzendlich nur den Läufer gegen einen Goldgeneral tausche) war noch interessanter als das Opfer gegen Frank. Die Struktur von Daniels kakoi hatte einige schwächen. Die beiden Generäle auf 8b und 7b verhinderten, dass der König nach 8b flüchten kann, wo er wieder von zwei Generälen geschützt werden würde, wenn der Gold auf 5b fällt. Wenn aber der Silber auf 8c zieht, wird die Struktur besser. Wenn ich die Situation also nutzen wollte, dann musste ich spätestens in dieser Stellung reagieren.

Es ging so weiter: Rx5d Px5d S*5c (Selbst wenn der König auf 7a flüchtet, bekomme ich den Turm zurück, da nach Sx5b Matt mit G*6a droht) Gx5c Bx5c+ Rx5c (der Turm muss schlagen, da ein Königszug (6a oder 5a) sofortiges Matt mit G*5b bedeuten würde) Nx5c+ Kx5c R*5a K6b Rx2a+ K7c S6e S*7d Sx7d Kx7d G*7f Bx9i+ +R3b

Daniels König stand nach dem Opfer alleine da und ich versperrte ihm den Fluchtweg nach unten. Hier droht Matt mit S*7e K7c N*6e oder 8e. Aus dieser gefährlichen Situation kam Daniel nicht mehr raus und musste einige Züge später aufgeben. Daniel zog hier K6d. Dieser Zug führt wie folgt zum Matt: P*6e K5c (bei K7d folgt +Rx7b und alle Varianten führen zum Matt; bei K7c folgt N*8e K8d S*9e K7d +Rx7b irgendetwas auf 7c eingesetzt und G*7e matt; bei K5e folgt S*6f K4d +R4b irgendetwas auf 4c eingesetzt und N*3f matt) N*4e K4d +R3c Kx4e S*4f (K3e wäre mit S*3f auch sofort matt und K5e wäre mit S*5f ebenfalls sofort matt).

Nach dieser Niederlage wurde Daniel, der nach der Zwischenbilanz der fünften Runde noch den vierten Platz belegte, auf den achten Platz befördert. Die sechs Stunden Schlaf haben sich gelohnt. Ich habe an diesen Tag alle drei Partien gewonnen und konnte mit vier Siegen, darunter der ehemalige Deutsche Meister, und zwei Niederlagen den fünften Platz belegen. Ich war damit der beste Ludwigshafener Spieler im offenen Turnier, da Frank eine Partie weniger gewonnen hatte. Nur zwei deutsche Spieler schnitten im offenen Turnier besser ab: Jochen Drechlser schaffte es mit ebenfalls vier Siegen - aber mit der besseren Feinwertung - auf den dritten Platz. Thomas Leiter gewann auch das offene Turnier mit einer 100% Gewinnquote. Außerdem konnte ich zeigen, dass ich die Gewinnerwartung, die mein DW-System vorhersagt, auch in einem stark besetzten Turnier holen kann. Die neue DW-Liste findet ihr wie immer unter www.shogidw.npage.de.        
Ich hoffe, dass die künftigen Meisterschaften auch in Ludwigshafen stattfinden werden. Die Teilnehmerzahl zeigt bereits die Vorteile. Mit Meisterschaften ist es wie mit Immobilien: Die Lage ist entscheidend.