Deutsche Meisterschaft 2015

Deutsche Meisterschaft 2015

Auch 2015 wurde die Deutsche Meisterschaft in Ludwigshafen ausgetragen. Wie letztes Jahr erzähle ich hier, wie es mir auf der Meisterschaft so ergangen ist.

Hier noch ein Bericht von Jochen Drechsler, der Deutscher Meister wurde: http://shogi.drjochum.de/

Hier geht es zum offiziellen Bericht: http://www.shogideutschland.de/Turniere/ODM_2015.html

Die Deutsche Meisterschaft fand am 14. und 15 März statt. Wieder einmal zeigte sich, dass Ludwigshafen als Austragungsort geeigneter ist, als die anderen Austragungsorte für die man sich die Jahre zuvor entschieden hat. Obwohl dieses Jahr erstmals eine Elogrenze von 800 zur Teilnahme festgelegt wurde, fanden 37 Teilnehmer den Weg nach Ludwigshafen. Damit waren die Räumlichkeiten wieder einmal voll ausgelastet. Besonders das obere Feld war dieses Jahr sehr stark besetzt und ist eher mit einer Europameisterschaft zu vergleichen: Acht Dan-Spieler (nach FESA-Kriterien) und zwei Spieler, die laut der FESA den 1 Kyû besitzen, bildeten die oberste Gruppe. Darunter waren der dreimalige Europameister Jean Fortin, Tomohide Kawasaki, der als Hidetchi für seine You-Tube-Videos und als Initiator von 81-Dôjô bekannt ist und die ehemaligen Deutschen Meister Jochen Drechsler und Daniel Prill. Dieses Jahr konnte Jochen Drechsler die Meisterschaft gewinnen. Vize-Meister wurde Daniel Prill. Ich selbst schaffte es auf den dritten Platz.

Die eigentliche Deutsche Meisterschaft wird im K.O-System unter den zwölf stärksten deutschen Spielern, die Mitglied bei Shôgi Deutschland sein müssen, ausgetragen. Zeitgleich wird ein offenes Turnier gespielt. Die ersten vier Plätze der Setzliste müssen sich in der ersten Runde keine Gedanken machen, da sie automatisch in das Viertelfinale kommen, während die Plätze 5-12 darum spielen müssen. 

Die Begrüßung fing bereits verspätet an. Da einige Spieler es für nötig hielten, noch darüber zu diskutieren, welche Zählregel man beim Nyugyoku (entering king) anwenden soll, wurde die Verspätung weiter ausgedehnt. Obwohl als Zählregel die 24-Punkte-Regelung ausgeschrieben war, entschied sich die Turnierleitung - wahrscheinlich auch deswegen, damit es endlich losgehen kann - dazu, den Drängen um die 27-Punkte-Regelung nachzugeben. Auch Tomohide "Hidetchi" Kawasaki setzte sich für die 27-Punkte-Regel ein. Das war in sofern seltsam, da er selbst schon schrieb, dass es mehrere Zählregeln gibt und es den Turnieren überlassen ist, welche man anwendet. Es handelt sich nämlich dabei um keine Spielregel, sondern um eine Turnierpraxis. Die 27-Punkte-Regelung ist nur die am häufigsten angewendete Praxis. Da der Fall eines nyugyoku selten ist (auf diesem Turnier gab es meines Wissens nach auch keinen einzigen Fall eines nyugyoku) und die 24-Punkte-Regelung ausgeschrieben war, war diese Diskussion komplett sinnlos. Und die Leser, die darauf warten, dass ich endlich von der ersten Runde berichte, haben nun ein Gefühl dafür, wie nervtötend diese Aktion war. Aber nun zur ersten Runde:

Ich war auf Platz fünf gesetzt und musste in der ersten Runde gegen Martin Köbsel spielen. Diese Partie, in der Yagura gespielt wurde, entschied ich für mich und war damit in Viertelfinale. In der Pause gab es Curry mit Huhn in der Vereinsküche, was ich mir gleich einverleibte. Leider gab es kein Onigiri, was mich sehr traurig stimmte. In der Pause gab es wieder eine kleine Diskussion über das Elo-System der FESA. Hier wurde wieder einmal die Mär verkündet, dass das System erstaunlich gut funktionieren würde. Die Begründung war allerdings etwas seltsam: Da die Abschlusstabellen meistens schön geordnet seien, müssen die Zahlen stimmen. Nunja, da die meisten Turnieren mit Mac-Mahon gelost werden, ist das nicht verwunderlich. Die stärkeren Spieler bekommen bei diesem Losverfahren ja schließlich Punkte geschenkt, damit sie oben landen, weil man davon ausgeht, dass die Zahlen stimmen. Das ist ungefähr so, als würde ich eine Kiste Bananen nehmen, die einzelnen Bananen nach meiner subjektiven Einschätzung des Geschmacks nummerieren und in dieser Reihenfolge in die Kiste legen, um mich dann beim Auskippen darüber zu wundern, dass sie so schön sortiert sind. Heureka! Das ist der Beweis, dass die subjektive Einschätzung objektiv ist. Und da es - trotz Vorverteilung mit Mac-Mahon-Punkten - immer mal wieder starke Ausreißer gibt, ist das noch ein viel stärkeres Indiz dafür, dass die Zahlen bei einigen Spielern nicht realistisch sind. Besonders dann nicht, wenn es immer dieselben Spieler sind, die zu den Ausreißern gehören. Und auch dieses Turnier hatte trotz Mac-Mahon wieder einige Ausreißer. Daher wunderte ich mich auch nicht darüber, dass es in der ersten Runde der Meisterschaft eine "Überraschung" - um den Bericht auf der Seite von Shôgi Deutschland zu zitieren - gab, da die bisherigen Turnierleistungen (der betreffende Spieler hat bisher nicht einmal annähernd - nicht einmal bei seiner Einstufung - die Turnierleistung erbracht, die man von seiner Einstufungselo erwarten würde) des betreffenden Spielers schon lange zeigen, dass meine DW-Wertung hier realistischer ist. Ich möchte hier mal anmerken, dass es im Schnitt der Turnierleistungen im DW-System noch keine Überraschungen gab. Nachdem dann gesagt wurde, dass eine durchschnittliche Schwankung von 300 Punkten (also zwischen einer 50% und 85% Gewinnerwartung) nicht viel sei, habe ich mich von der Diskussion verabschiedet, um die Pause weiter zu genießen. Ich habe dann noch einige Blitzpartien gespielt, bevor die nächste Runde startete.

In Viertelfinale traf ich auf Markus Pfaff, den zweiten Kyû-Spieler - laut FESA Kriterien - in der obersten Gruppe. Im offiziellen Bericht über die deutsche Meisterschaft, sticht wieder das Vertrauen ins Elo-System heraus. Das zeigt sich an der Vermutung, dass diese Partie die spannenste in dieser Runde gewesen sein soll, da wir beide im Elo-System den 1 Kyû besitzen. Wenn man sich alleine die Gewinnverteilung zwischen uns beiden anschaut, müsste ich laut Verteilungslogik alleine deswegen schon längst einen Dan besitzen. Auch die Turnierleistungen bestädigen das. Auf diesen Turnier erbrachten wir wieder einmal die Turnierleistung, die das DW-System vorhersagt. Im Elo System hatte Markus allerdings bis zu diesem Turnier sogar eine höhere Elo als ich. Zum Elo-System und meinen 1 Kyû schreibe ich am Schluss noch etwas. In dieser Partie spielte ich Mukaibisha, um mich gegen seinen Bogin zu verteidigen, und wechselte, nachdem Markus Züge für einen Angriff verschwendet hatte, der nicht erfolgreich war, zum Angriff mit Nakabisha, da er seinen König noch nicht gesichert hatte. Um einen Durchbruch auf der fünften Linie zu verhindern, bot mir Markus einen Turm-Läufer-Tausch an, da er keinen Bauern auf der Hand hatte. Doch das verschlimmerte seine Lage, da ich nach diesem Tausch schnell auf Gewinn stand. Da er seinen König noch nicht bewegt hatte, konnte ich - indem ich noch meinen Turm zurückgewann - schnell Matt drohen und gleichzeitig seinen Fluchtweg blockieren. Markus versuchte noch mit seinem Läufer - seiner einzigen Figur auf der Hand - zu verteidigen, wurde aber trotzdem mattgesetzt. Somit war ich in Halbfinale, wo ich auf Jochen Drechsler traf, der schließlich Deutscher Meister wurde.

Die Eröffnung sah zunächst nach Yagura aus. Ich wich schließlich davon ab, weil ich kein Yagura spielen wollte (ich habe jahrelang fast ausschließlich Yagura und Bishop exchange gespielt, bis mir diese Eröffnungen zum Hals raushingen) und experimentierte, indem Ich zu Sangenbisha wechselte. Doch das war ein Fehler. Ich hätte wieder Mukaibisha spielen müssen, um die zweite Linie zu verteidigen. Dann wäre ich auch wieder in der Theorie gewesen. Drechsler erkannte den Fehler und gewann die Partie. Das war meine schwächste Partie auf diesem Turnier. Noch eine kleine Anmerkung, da sonst ein falscher Eindruck über die Haya Ishida Eröffnung entstehen könnte: Jochen Drechsler schreibt in seinem Bericht, dass er die Finten der Eröffnung abwehren konnte. Wie er darauf kommt, ist mir schleierhaft, da ich keine Eröffnung gespielt habe, die irgendwie in der Theorie vorkommen würde und mit Sicherheit war es kein Haya Ishida. Ich habe die Eröffnung schlicht vergeigt und da war nichts, was man abwehren musste. Er stand nach der vergeigten Eröffnung bereits klar besser. Haya Ishida ist auch nur dann eine "scharfe" Eröffnung, wenn der Gegner glaubt, dass er schnell angreifen könne. In diesem Fall steht man in der Regel besser, weil ein schneller Angriff gegen Haya Ishida keine gute Idee ist. Es ist aber der Gegner, der entscheidet, ob aus dieser Eröffnung eine aggressive Partie wird. Wenn man sich ans Joseki hält, verläuft die Eröffnung ganz ruhig, da dann beide Spieler nicht schnell angreifen können. Es gibt viele bekannte und beliebte Eröffnungen, die erheblich aggressiver sind. Wenn man glaubt, dass Haya Ishida nur aus Finten besteht, hat man die Eröffnung nicht verstanden und unterschätzt die Urteilskraft der Profis, die diese Eröffnung gespielt haben und heute noch spielen. In jüngster Zeit wurden sogar neue Züge gefunden. Diese Eröffnung wird immer noch weiterentwickelt und gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Und sie wurde schon garnicht als Finte widerlegt. Diese Meinung hatte man, bevor Masuda kam und siegte. Wer die Feinheiten dieser Eröffnung kennt, erkennt auch deren Eleganz. Und wer die Schlachten zwischen Masuda und Oyama anschaut, hat die Gelegenheit, überragendes Shôgi zu sehen (Tipp: https://www.youtube.com/watch?v=o9t7PcfiJmc). Leider fehlen in den Videos von Hidetchi zu dieser Eröffnung viele wichtige Joseki und Feinheiten. Da hier auch die Masuda-Variante fehlt, kann man auch hier leider den falschen Eindruck gewinnen, dass es eine Haudrauf-Eröffnung sei. Nun aber weiter zu meinen bescheidenem Shôgi.

Am zweiten Brett des Halbfinales konnte Daniel Prill Hans-Ulrich Schüler besiegen. Damit war klar, dass mein nächster Gegner Hans-Ulrich Schüler sein würde, der bei der Deutschen Meisterschaft 2013 den dritten Platz belegen konnte und 2013 Ludwigshafener Stadtmeister wurde. Am nächsten Tag konnte sich Jochen Drechsler gegen Daniel Prill durchsetzen, womit der Deutsche Meister und der Vizemeister feststanden. Als ich nach meiner Partie auf das Brett schaute, stand Daniel Prill klar besser. Auch Jochen Drechsler schätzt es in seinem Bericht so ein. Ich rechnete also damit, dass er gewinnen würde und ging eine Zigarette rauchen. Als ich zurückkam, hat sich das Blatt - zu meiner Verwunderung - gewendet und Daniel Prill wurde mattgesetzt. Hans-Ulrich Schüler und ich kämpften in dieser Runde um den dritten Platz. Er spielte Nakabisha und ich spielte wieder Sangenbisha. Zunächst dominierte ich die Partie, da ich mit meinem Angriff durchbrechen und sein kakoi zerstören konnte. Dazu opferte ich zwar meinen Turm, den ich einfach vor einem Bauern stehen lies, um mit meinem General weiter anzugreifen, aber ich sah, dass ich dafür 1) durchbrechen kann und 2) wenige Züge später seinen Turm gewinnen würde. Er nahm auch nicht einfach den Turm, sondern versuchte stattdessen, den Angriff abzuwehren. Doch so konnte ich den Turm gegen einen Goldgeneral tauschen und dennoch mit zwei Generälen durchbrechen. Wie man bereits letztes Jahr sah, opfere ich gerne mal meinen Turm, wenn ich damit die Stellung des Gegners zerstören kann. Die Partie war aber noch lange nicht vorbei, da der König meines Gegners noch viele Fluchtfelder hatte und meine Generäle weit weg vom Geschehen waren, wo einst sein kakoi stand. Ich konnte ihn also nur mit meinem Drachen (ich gewann - wie bereits geschrieben - meinen Turm zurück) jagen. Der König meines Gegners war also auf der Flucht, während meinem Kakoi noch keine Gefahr drohte. Doch mir fehlte Material und so machte ich einen Fehler, den ich zuvor bewusst vermieden habe. Ich nahm mit meinem Drachen den gegnerischen Springer, obwohl dieser danach in einer Läuferdiagonale stand, in der er durch ein Springeropfer mit meinem König gegabelt werden konnte. So verlor ich meine wichtigste Angriffsfigur. Ich konnte, indem ich die Schwächen seines alleinstehenden Königs ausnutzte, mit den Rest meines Materials (ich bekam schließlich zwei Springer und einen Läufer für meinen Turm) die Situation irgendwie retten und sogar einen Läufer und einen Turm gewinnen, während ich gleichzeitig verhindern konnte, dass der gegnerische König in mein Lager kommt. So habe ich diese spannende Partie trotz des Fehlers für mich entscheiden können und wurde Dritter bei der Meisterschaft. Auch in offenen Turnier stand ich bis dahin auf den dritten Platz.

In offenen Turnier war mein erster Gegner Tomohide Kawasaki. Ich habe schon oft im Interet gegen ihn gespielt und auch schon besiegt. Es wurde Masuda Shiki Ishida Ryu gespielt. Mein Gegner sah jedoch ein Jôseki nicht (diese Eröffnung hat er in seinen Videos nicht behandelt), was dazu führte, dass ich leicht besser stand. Diese Eröffnung erlaubt viele schnelle Angriffe, wenn der Gegner nicht richtig spielt. Doch wie es meine Art ist, spielte ich nicht ruhig weiter und griff an. Damit verspielte ich meine Stellungsvorteile. In der Analyse waren wir uns beide einig, dass es besser gewesen wäre, ruhig weiter zu spielen. Tomohide sagte in der Analyse, dass er in dieser Stellung absolut nichts tun könne. Es ist also immer besser, auf die Variante zu vertrauen, die Masuda ausgearbeitet hat. Nachdem die Königsstellung aufgebaut wäre, hätte ich jederzeit den Turm tauschen können (der Gegner könnte das nicht einmal verhindern, da sein Turm doppelt angegriffen wäre). Mein schneller Angriff war also nicht die beste Option. Das zeigt wieder die Genialität von Masuda. Dennoch sah es nicht schlecht für mich aus. Das gegnerische Kakoi stand schließlich mit drei Schwerfiguren unter Beschuss. Tomohide Kawasaki musste fast sein ganzes Material einsetzen, um zu verteidigen. Hier hätte ich auch einen Verteidigungszug investieren sollen, da mein Gegner wärend des Angriffes Material auf die Hand bekommen würde. Bisher hatte er nur einen Drachen in meinen Camp, der alleine nichts gegen das halbe Mino ausrichten konnte. Ich verteidigte also nicht, da ich meinte, den schnelleren Angriff zu haben. Nach dem Schlagabtausch setzte mein Gegner noch eine Angriffsfigur in mein Camp ein. Statt zu verteidigen, sorgte ich dafür, dass ich den gegnerische König in nächsten Zug Matt setzen könnte. Doch hier habe ich geschlafen. Ich habe nämlich ein geschicktes Turmopfer meines Gegners übersehen, der nun das nötige Material auf der Hand hatte, um mich Matt zu setzen. Nach den Turmopfer gab ich also auf. Dennoch war es eine schöne Partie.

Meine Bilanz bis dahin war drei Siege aus fünf Runden. In der letzten Runde konnte ich aber noch für eine Überraschung sorgen. Frédéric Verheyden war mein letzter Gegner. Er hatte bis dahin alle Partien gewonnen und stand als Turniersieger fest. Unter seinen Gegnern war der dreimalige Europameister Jean Fortin und mein Gegner aus der fünften Runde Tomohide Kawasaki.  Auch Jochen Drechsler und Daniel Prill mussten sich geschlagen geben.

Es wurde wieder Masuda Shiki Ishida Ryu gespielt, wie in der Partie gegen Tomohide Kawasaki zuvor. Und wieder sah mein Gegner nicht, dass das Joseki ein Springeropfer erlaubt, das man nicht annehmen kann. Frédéric Verheyden wollte gerade aufstehen, als ich den Springer zog. Halb aufgestanden blickte er auf das Brett und setzte sich wieder hin, um mehrere Minuten nachzudenken. Wie mein Gegner zuvor nahm auch er das Opfer nicht an (was für die Rechenleistung dieser Spieler spricht), doch ich habe aus der letzten Runde gelernt und spielte ruhig weiter, was zum unvermeidbaren Turmabtausch führte. Danach spielte ich aber nicht gut weiter. So brachte auch mein Gegner seinen Turm in mein Camp. Ich fand aber schließlich wieder einen guten Zug. Als ich meinen Läufer auf 9h einsetzte, um seinen Turm anzugreifen, schaute mein Gegner etwas ungläubig. Doch das war kein reiner Verteidigungszug. 1. gewann ich so zwei Züge später mit P*8i seinen Läufer auf 8f, der nur von seinem Drachen gedeckt wurde, und 2. sah ich schon hier die Fesselung auf 4c. Schließlich kam es zu dieser Stellung, wo ich gerade den Läufer auf 5e einsetzte:

  Mein Gegner spielte hier +N6g, was mir die Chance bot, die Fesselung auszunutzen: N*4d

Sx4d Bx4d S*3c Der Läufer kann nicht mit dem Bauern geschlagen werden. Bei den folgenden Diagrammen ist mir ein kleiner Fehler passiert: Er hat drei statt vier Bauern auf der Hand.

Ich denke, dass es besser gewesen wäre, den Läufer auf 8h zu ziehen, um den Drachen aus meinem Camp zu vertreiben und gleichzeitig das Feld 9g zu decken. Ich könnte dann mit dem Gold den beförderten Springer schlagen. Der gegnerische Angriff würde verpuffen, wärend ich noch genug Möglichkeiten hätte. Außerdem könnte ich den Silber auf 3c nach N*2e (die Mattdrohung nach S2d Bx1a+ ist nicht mehr abzuwenden: auf N*2b folgt +Rx2a und bei Springereinsatz auf 3a, 4a oder 5a a folgt S*2b mit anschließenden +Bx2a) immer noch schlagen, wenn er auf 2b flüchtet (4d wäre ein reiner Silberverlust, da der Läufer wieder die Fesselung ausnutzen könnte.) Dann würde S2b Bx2b+ Kx2b S*3a K1b (Bei K3b folgt Sx4b+. Wenn jetzt Gx4b oder Kx4b folgt, ist die Partie nach G*4a  oder G*3a vorbei. Bei K2b ist der Gegner nach S*3a K1b G*2b matt) Sx4b+ Gx4b +R3a folgen. Nach N*2e muss also ein Springer-Silber-Tausch in Kauf genommen werden - was alldings aufgrund des Drachens auf der a-Reihe gefährlich ist. Besser wäre es daher, bereits nach Gx6g entweder die Läuferdiagonale mit N*4d oder die a-Reihe mit Springereinsatz auf 3a, 4a oder 5a dicht zu machen. Dann hat der Gegner aber nur noch Bauern auf der Hand, der beförderte Springer wäre eleminiert und sein Drache wäre außerhalb meines Camps. Wenn nach B8h +Rx8h folgt, schlägt der Bauer zurück und der Gegner muss einen Turmeinsatz auf 3a verhindern, indem er entweder den Läufer oder den Springer auf die a-Reihe einsetzt. B8h sieht daher gut aus. Aber zurück zur Partie:

Ich zog Bx3c und schlug den Silber. Kx3c (wenn der Gold schlägt, droht Silbereinsatz auf 4a. Wenn der Springer schlägt, schlägt der Drache die Lanze) +Rx2a +Nx5h (Das Problem für meinen Gegner ist, dass ihm Material für die Verteidigung fehlt und er auch keinen schnellen Angriff hat. Mit dem Gold kann er jetzt etwas besser verteidigen und gleichzeitig einen Angriffszug machen)

+R3a N*3b. N*3f (es droht Matt mit S*2b) P3e. Ab hier habe ich ein Tsume. Es wäre besser für ihn gewesen, wenn er statt P3e B*2b gespielt hätte, um den Angriff hinauszuzögern. Hier rächte sich, dass mein Gegner soviel Zeit investierte, um über meinen Springerzug zu Beginn nachzudenken. Mit B*2b hätte mein Drache wegziehen müssen. Nach +Rx2b Kx2b B*8h würde ich zwar den Turm zurückgewinnen, aber nach +Rx8h Px8h R*7i R*8a G*3a, gewinnt mein Gegner Tempi und sein König steht sicher. Den Drachen wegzuziehen ist also besser für mich. Außerdem würde ihm zum Angriff der Läufer fehlen und damit droht auch meinen König keine unmittelbare Gefahr, wärend ich mit S*4e und S*2e schnell wieder Matt drohen kann. Aus diesem Grund funktioniert auch G*2b als Verteidigung nicht. Nach S*4e droht Matt mit S*4d Px4d Sx4d. Wenn der Läufer auf 5e 6f oder 7g eingesetzt wird, um das Matt mit S*4d zu verhindern, folgt S*2e und es droht Matt mit Sx3d, was nicht mehr zu verhindern ist. Bei N*4d, um S*4d zu verhindern, folgt ein Matt mit Sx4d Px4d N*2e. B*2b ist die einzige Möglichkeit um folgende Mattdrohungen mit S*4e und S*2e abzuwehren. In diesem Fall müsste er aber auf S*3a aufpassen. Mit diesen Zügen habe ich eigendlich gerechnet. Aber er versuchte sich mit P3e ein Fluchtfeld zu schaffen, um den Läufer auf der Hand zu behalten. Dieser Fehler entschied die Partie:

Das Matt beginnt mit S*4d. S*2b ist auch Matt (K3d +Rx3b (egal ob der Turm geschlagen, oder etwas eingesetzt wird, folgt) N*4f. Egal wohin der König flieht, er wird mit dem Silber auf der F-Reihe mattgesetzt. Aus irgendeinem Grund sprang mir aber sofort das Matt mit S*4d ins Auge:

Wenn der König auf 3d flieht, folgt +Rx3b Gx3b (Auch wenn der Gold nicht schlägt und stattdessen etwas zwischengesetzt wird, ändert sich nichts an den kommenden Zügen. Wenn der König auf 4e flüchtet folgt S*5f K5d N*4f. Bei K2e folgt S*2f.) N*4f. K2e ist mit S*2f sofort Matt und auf K4e folgt S*5f. Das sah Frédéric Verheyden und spielte daher Px4d. Doch ich wusste, dass es vorbei ist: Bx3b+ Gx3b S*3d:

Die letzten Züge waren Kx3d +Rx3b (Wenn er etwas auf 3d einsetzt folgt N*4f: K2e ist Matt mit G*2f und K4e ist Matt mit G*5f). Er spielte K4e G*5f:

Hier gab mein Gegner auf. Der König kann nur noch auf 5d wo er mit N*4f mattgesetzt wird.

Frédéric Verheyden gewann dennoch das offene Turnier, da er nur gegen mich verloren hatte. Er hatte damit fünf Siege aus sechs Runden erspielt. Danach folgen fünf Spieler, die vier Siege holen konnten. Aufgrund der schlechteren Zweitwertung schaffte ich es mit vier Siegen auf den sechsten Platz und war damit der beste Kyû-Spieler - laut FESA Kriterien - auf dem Turnier. Wenn die FESA alle Turniere des Schachklubs gewertet hätte, hätte ich auch in FESA-System längst einen Dan-Grad. Es wurden schließlich acht Turniere nicht gewertet, von denen ich sechs Turniere mit einer 100% Gewinnquote gewonnen habe! An diesen Turnieren haben auch Spieler teilgenommen, die im Elo-System einen Dan besitzen. Die Turniere wurden aufgrund des Zeitmodus nicht gewertet. Bei anderen Turnieren, die sogar kürzere Bedenkzeiten hatten, sah man aber kein Problem und wertete sie ohne Bedenken! Das gilt nicht nur für die großen japanischen Turniere. Mir ist zumindest ein deutsches Turniere bekannt, das trotz der gleichen Bedenkzeit, die auch auf unseren Klubturnieren üblich sind, in den letzten Runden, ausgewertet wurde. Ich Veranstalte diese Turniere dennoch, obwohl mir bekannt ist, dass sie von diesem System ignoriert werden. Ich möchte hier nur nochmal demonstrieren, wieviel von der aktuellen Aussagekraft des Elo-Systems der FESA zu halten ist.

Hätte man - wie wir es auch auf den Klubturnieren tun - die Turnierleistung als Zweitwertung verwendet, wäre ich mit 38 Punkten mehr in der Turnierleistung vor Daniel Prill auf den fünften Platz gelandet - nur fünf Punkte in der Turnierleistung vom vierten Platz entfernt und nur sechs Punkte vom dritten Platz entfernt. Ich konnte damit wieder einmal zeigen, dass ich die Leistung, die mein DW-System vorhersagt auch auf einem stark besetzten Turnier erbringen kann. Bis auf die Partie gegen Drechlser und den Drachenverlust gegen Hans-Ulrich Schüler habe ich gut gespielt. Die verlorene Partie gegen Tomohide Kawasaki war zumindest spannend und lange Zeit ausgeglichen. Auch wenn ich verloren habe, habe ich diese Partie nicht so verhauen, wie die Partie gegen Jochen Drechsler.

Die zwei Gegner, gegen die ich verloren habe, schnitten auch in offenen Turnier mit jeweils vier Siegen gut ab. Jochen Drechsler belegte in offenen Turnier den zweiten Platz und Tomohide Kawasaki schaffte es auf den dritten Platz. Der dreifache Europameister Jean Fortin schaffte es auf den vierten Platz und Daniel Prill schaffte es auf den fünften Platz. Laut Turnierleistung wäre Jean Fortin auf den zweiten Platz gelandet. Dritter wäre Jochen Drechsler - mit nur einem Punkt in der Turnierleistung vor Tomohide Kawasaki -  geworden. Das gleiche Bild zeigt sich auch, wenn man statt der Elo die DL verwendet. Da Tomohide Kawasaki nach mehrjährigen Aufenthalt in Deutschland zurück nach Japan fliegt, wurde ihm bei der Siegerehrung ein Geschenk überreicht. Damit wurden seine Verdienste bei der Verbreitung des Shôgi geehrt. Der Standort Ludwigshafen hat wieder einmal seine Vorzüge unter Beweis stellen können. Das Turnier war vorallem neben den 37 Teilnehmern wegen der Stärke der oberen 10 Spieler ein Spitzenturnier. Ich hoffe, dass man die Zeichen richtig deutet und auch nächstes Jahr wieder Ludwigshafen als Austragungsort wählen wird.